Bericht über mein Praktikum im Mutter-Kind-Haus der Caritas St. Altfrid im Hochsauerland vom 22.06. – 13.07.2005

 

Bericht über mein Praktikum im Mutter-Kind-Haus der Caritas St. Altfrid im Hochsauerland vom 22.06. – 13.07.2005

Im Rahmen eines Modellversuches habe ich für eine Kurperiode - drei Wochen – die Mütter und auch interessierte Mitarbeiter des Hausteams mit Shiatsu begleitet. Da vor mir bereits eine Shiatsu-Praktikerin für zwei Wochen mit durchweg positiver Resonanz am Haus gearbeitet hatte, wurde ich schon mit freudiger Erwartung empfangen und fand ideal optimierte Arbeitsbedingungen vor. Auch Unterbringung und Verpflegung ließen keine Wünsche offen und vermittelten mir selber ein Erholungsgefühl.

Anders als bei meiner Kollegin, die als Berufstarterin den Wunsch geäußert hatte, vornehmlich Frauen mit allgemeinen Erschöpfungszuständen und die Hausmitarbeiter zu behandeln, wurden mir nach meinem Einverständnis alle Mütter dieser Kurperiode mit unterschiedlichen Indikationen wie Erschöpfung, depressiven Verstimmungen, Traumatisierung, Allergien, Neurodermitis, Psoriasis, bis hin zu chronischen Schmerzzuständen, Migräne, Wirbelsäulenbeschwerden und schwächelndem Immunsystem anvertraut.

Für jede Mutter ist vom ärztlichen und therapeutischen Hausteam ein individueller Therapieplan erstellt worden, zu dem Shiatsu nun ergänzend und als Verordnung hinzukam. Das hatte den große Vorteil, dass die Mütter, - von denen keine Shiatsu kannte oder vorher auch nur davon gehört hatte – nicht in einen Entscheidungszwiespalt gerieten, ob sie etwas „Neuem“ gegenüber aufgeschlossen sein sollten und war natürlich für mich ein wichtiger Erfahrungsbestandteil:

Klienten, die sich sonst im Alltäglichen in einer Shiatsu Praxis einfinden, kommen meist aus eigenem Antrieb, man kann somit von einer positiven Grundhaltung dem Shiatsu gegenüber (das in Berlin z. Bsp. auch schon sehr viel populärer ist…) ausgehen. Das war dort nicht unbedingt selbstverständlich.

So gab es eine Mutter, die schon in der Vorstellungsrunde, an der ich teilgenommen habe, sofort erwiderte, sie möchte eigentlich von keinem fremden Menschen angefasst werden. Die Kurleiterin vereinbarte mit ihr, eine Probestunde zu absolvieren und danach zu entscheiden, ob sie davon befreit werden wolle. Vor Antritt der Stunde erklärte ich ihr, dass es für mich absolut in Ordnung sei, wenn jemand kein Shiatsu haben möchte. Ich selber wollte niemanden berühren, der das nicht will und dem das unangenehm ist; deswegen versuchte ich, sie zu überreden, darauf gleich ganz zu verzichten, aber das wollte sie wiederum nicht. Im Nachhinein bin ich über diese Erfahrung sehr froh und dankbar. Ich weiß nun nicht nur, wie sich das anfühlt, wenn jemand mit solchen Berührungsängsten zu kämpfen hat. Es war auch eine hervorragende Übung für die spezielle Achtsamkeit (wo und wie ist eine Berührung trotzdem wohltuend?) und auch für die innere Haltung der Absichtslosigkeit (hier: nicht missionieren wollen) war es sehr hilfreich. Die behandelte Mutter selbst sagte nach dem Shiatsu, es sei eine gute Erfahrung für sie gewesen und auch ganz anders, als sie es erwartet hätte, obwohl sie trotzdem bei ihrer Meinung bliebe, dass es für sie wohl nicht das Richtige sei.

So blieben insgesamt neun Mütter, die ich mit jeweils drei Behandlungen (einmal wöchentlich) begleitet habe, sowie eine Kurverlängerin und zwei Hausmitarbeiterinnen, die jeweils einmal Kennenlern-Shiatsu erhielten.

Eine Einsicht in die Krankenkarteien der Mütter gab es aus Gründen des Patientenschutzes nicht. Jeder Erstbehandlung ging somit ein besonders ausführliches und umfassendes Anamnesegespräch voraus. Die Behandlungseinheit betrug generell anderthalb Zeitstunden, da sich schon bei meiner Vorgängerin das begleitende Vor- und Nachgespräch in diesem Rahmen als notwendiger Bedürfnisbestandteil erwiesen hatte. Dies war für mich ein wichtiger und als sehr effektiv wahrzunehmender formaler Strukturunterschied gegenüber der Shiatsu-Praxis im rein gesundheitspräventiven Bereich (Zeitsegment mit Gespräch in der Regel max. 1 h).

Die meisten Mütter kamen zum Shiatsu in „gespannter Zuversicht“ nach alldem, was sie nun doch schon hatten munkeln hören. Aber auch mit Ängsten: Nichts tun müssen klingt ja ganz toll, soll aber gar nicht so einfach sein. Was passiert, wenn ich mich jetzt gar nicht entspannen kann? Was ist, wenn mir plötzlich nur noch zum Heulen ist? (die meistgestellte Frage) Was? Alles erlaubt? Sogar erwünscht? Na, dann los!

In der ersten Behandlung zeigte sich das Thema Trauer bei nahezu jeder Mutter tatsächlich sehr vordergründig und heftig. Jedoch gerade für diesem Aspekt erwies sich Shiatsu als ideale Unterstützung, weil es nicht nur einen besonders geschützten Raum bietet, sondern durch die achtsame Berührung über ein wortloses, großes tröstendes Potential verfügt. Alles darf so sein, wie es ist – und jede/r darf so sein, wie er/sie ist. Und nach meist wenigen Minuten war auch der Umstand des rein passiven Empfangens einfach nur noch angenehm. Und auch hier war Shiatsu eine gute Ergänzung zum Hauptkurprogramm, denn: Eine Kurs ist keineswegs ein Spaziergang zum eigenen Wohlgefühl, sondern hat für die Mütter einen recht prallen Stundenplan voller Anordnungen, teilweise mit und ohne Kinder (die sind dann in der Betreuungsgruppe) über einen Tag verteilt. Damit sollen Bewegungsmängel behoben, Spannungszustände abgebaut, Stress bewältigt bzw. die Stresstoleranz erhöht, Entspannungs- und Selbsthilfestrukturen gefördert werden usw. Viele Maßnahmen also, die immens wichtig sind, jedoch auch persönlichen Einsatz und Aktivität erfordern. Bereits in der zweiten Kurwoche hatte das Shiatsu daher seinen eigenen Stellenwert gefunden. Oh wie herrlich – hinlegen, empfangen und entspannen! Die dritte Sitzung wurde oft schon mit Ungeduld erwartet.
Im Abschussgespräch stellte ich jeder Mutter die Frage, ob ihr das Shiatsu etwas gebracht hätte – und wenn ja, was?

Der größte gemeinsame Konsens bestand darin, durch die passive Bewegung eine andere Art der Entspannung kennen gelernt zu haben, die ihnen geholfen hat, vor allem bei bewegungsorientierten Anwendungen die eigenen Verspannungen und Blockaden deutlicher wahrzunehmen und sich dadurch besser an deren Auflösung beteiligen zu können.

- Ferner, dass die eigene körperliche Berührungsebene mit den Kindern plötzlich bewusster und „wertvoller“ erschien.

- Dass nach Tagen mit Shiatsu viele der Mütter nachts sehr intensiv träumten und sich vor allem am Morgen daran noch erinnern konnten.

- Dass sie sich nach dem Shiatsu „leichter“ gefühlt haben, vor allem körperlich, aber auch seelisch.

Es gab außerdem sehr viele Indikationsverbesserungen, die das Shiatsu nach Meinung der Mütter zu unterstützen vermocht hatte. Unerwünschte oder negative Auswirkungen sind in keinem Fall aufgetreten. Auch die Mitarbeiter des Hausteams, die Shiatsu ausprobiert hatten, zeigten sich begeistert.

Für mich persönlich war es eine wundervolle Erfahrungsbereicherung und ich hätte meine Zeit dort überaus gerne verlängert. Das war aus organisatorischen Gründen leider nicht möglich. Da bleibt zu wünschen, dass dieses Beispiel Schule machen und sich daraus eine dauerhafte, gute und hilfreiche Allianz entwickeln möge.

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