"Die Krankheit war total wohlwollend…" Ein Interview mit Ekkehard Dehmel zum Thema "Krankheiten aufstellen". Von Ulrike Schmidt (2014)

 

Lieber Ekkehard, 

das "Aufstellungsmodell" geht auf die Arbeit von Bert Hellinger zurück. Durch das Auswählen und Aufstellen von Stellvertretern haben diese dann Zugang zu den damit verbundenen Themen. Dadurch können sie - oft verblüffend präzise - so etwas wie Kernaussagen zu den Personen, für die sie stehen, machen. Wie funktioniert das?

Tja, das kann ich dir leider nicht sagen. Ich weiß nur das es funktioniert. Ich gehe davon aus, dass wir eine Wahrnehmungsfähigkeit haben, die wir im Alltag so gut wie gar nicht nutzen. Als Babies waren wir darauf angewiesen, seit wir sprechen können liegt sie meist brach. Babies spüren wenn Mama weg will und reagieren mit Stress darauf - schreien.
Wir kennen diese Fähigkeit heute manchmal noch, wenn wir uns beobachtet fühlen, uns umschauen und gerade jemand wegschaut. Da sind wir uns auch nicht sicher, ob es stimmt. So ähnlich verhält es sich mit unseren Wahrnehmungen als Stellvertreter. Wir nehmen etwas wahr, ob es stimmt oder nicht stellt sich meist erst in der Befragung der Klienten heraus.

Und wie bist Du darauf gekommen, dass das mit Krankheiten ebenso funktioniert?

Ich hatten von meinen Lehrern Matthias Varga von Kibéd & Insa Sparrer davon gehört und dann kamen Klienten zu mir, die schon viel versucht hatten - von Schulmedizin bis Naturheilverfahren und Psychotherapie - und wenig bis gar keinen Erfolg hatten damit. Es war ihre letzte Option. Und dann kam Erstaunliches heraus. Die Krankheit war total wohlwollend, hat an etwas erinnert, dass sie schon lange vergessen hatten, ein Versprechen, dass sie sich einmal gegeben hatten, einen Jugendtraum, die Angst und die Trauer bei der Trennung der Eltern. Das sind nur einige Beispiele.
 

Ich finde diese Sicht auf unsere Wehwehchen, Beschwerden und Krankheiten sehr sympathisch, gerade in einer Welt, wo es oft nicht mehr um Gesundheit geht, sondern ob jemand wieder "arbeitsfähig" ist. Gibt es Deiner Meinung nach mehr individuelle Gesundheit, wenn es Menschen gelingt, sich in selbst bestimmen und stimmigen Arbeitsprozessen zu erfahren?

Ich war Busfahrer bei der BVG im Wechselschichtdienst, da wird man automatisch krank. Du schläfst jeden Tag zu einer anderen Zeit. Und ich hatte Arbeitsverhältnisse bei denen ich dachte, wenn ich das bis zum Lebensende machen soll, sterbe ich lieber gleich. JA, ich glaube es ist sehr wichtig, eine Arbeit zu finden die uns erfüllt, falls nicht, kann sie uns krank machen.
 

Warum haben Menschen oft einen so großen Widerstand gegen ihre eigenen Krankheiten? Ablehnung, Weg-haben-wollen, Nicht-Verstehen, dass sind ja oft die gängigen Reaktionen. Krankheit "stört", den Alltag, den bisherigen Weg…

Aus dem, was ich in den Aufstellungen mit Krankheiten erfahren haben, würde ich sagen, dass Krankheiten uns unbequeme Wahrheiten hinterher tragen. Mit denen wollten wir schon damals nichts zu tun haben, als wir sie vergessen haben. Warum sollte das anders sein, jetzt wo die Krankheit mich daran erinnert?

Rüdiger Dahlke betont immer wieder, dass eine Katastrophe auch ein Umkehrpunkt ist. Ist Krankheit als persönliche erlebte Katastrophe also manchmal unabdingbar, damit wir uns durch Schock und Erkenntnis weiterentwickeln können?

Ich habe mich lange gegen den Gedanken gewehrt, dass der Mensch Leid benötigt um sich zu verändern. Je länger ich lebe, desto mehr neige ich dazu diesem Gedanken recht zu geben. Ich ändere mich nur wenn's weh tut. 
Also: JA, ich glaube wir brauchen unsere kleinen Katastrophen wie ein Weckruf um die Kurve zu kriegen, damit wir nicht weiterhin dem eingefahrenen Weg folgen.
 

Und warum ist es machmal "zu spät"…?

Der Körper kompensiert lange, mit viel Kreativität und ausdauernd, aber irgendwann geht was kaputt, was er nicht mehr ersetzen oder reparieren kann - dann ist es zu spät. Der Arm den wir verloren haben, wächst nicht mehr nach.
 

Können auch psychische Themen aufgestellt werden? 

Ja, das geht sehr gut. Nur sollte man psychische Themen und schweren psychischen Störungen unterscheiden. Angst kann man gut aufstellen. Auch hier geht es um Annahme. Manische Depressionen befürchte ich, werden schwieriger, damit habe ich aber auch so gut wie keine Erfahrung.
 

Wie groß ist nach Deiner Erfahrung die Wahrscheinlichkeit, dass, wenn wir die der Krankheit innewohnende Information verstanden haben, dass wir die Krankheit dann nicht mehr brauchen?

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, mit einem großen Aber. Das ist kein Geschäft! Krankheiten lassen sich nicht überlisten. Sie sind wir. Wir können unser Unterbewusstsein nicht überlisten. Wenn wir, gar nicht unbedingt absichtlich, so tun, als ob wir der Krankheit folgen, um sie loszuwerden, geht das nicht. Wenn wir die Information der Krankheit verinnerlichen und sie solange berücksichtigen, bis sie uns in Fleisch und Blut übergegangen ist, wird die Krankheit gehen können. Je schwerer die Krankheit ist, desto schwerer die Annahme.
Das ist Arbeit oder Gnade.
 
Lieber Ekkehard, vielen Dank für das Interview!

 

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